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Das es in vielen Läden, gerade zu Schlussverkaufszeiten, immer wieder zu den mitunter bizarrsten "natürlichen" Theaterinszenierungen kommt, ist sicher nicht nur den Schnäppchenjägern einschlägig bekannt. Wieviele Menschen, die sonst kein "Theaterleben" führen, plötzlich zu den ausdrucksstärksten Darstellern werden können, ist meist recht amüsant anzuschauen. Dabei reicht das Repertoire von der tiefen Tragödie bis hinauf zum schnulzigsten Happy End. Aber das soll hier nur am Rand eine einleitende Erwähnung finden.

Der eigentliche Hintergrund für das "Ladentheater" ist zwar auch die Improvisation, aber doch eher professioneller Schauspielnatur. Bei der Suche nach außergewöhnlichen Spielorten hat sich eine Gruppe Theaterschaffender der Konsumtempel der Republik angenommen. Nun sollte man sich fragen, warum eine professionelle Theatertruppe dort auftreten will, wo doch auch ohne ihr Zutun schon genug "Theater" herrscht? Eine große Herausforderung für alle Mitwirkenden, die Kulisse für eine gelungene Inszenierung zu nutzen.

Wie muss man sich als Laie nun ein "richtiges" Theaterstück in einem Laden vorstellen? Die Julia steht als Symbol für den Balkon auf einem Regal für Monatshygiene, während Romeo ihr aus einem Ständer mit Winterjacken seine heiße Liebe gesteht? Genau diese Art von Improvisation sollte man erwarten und sich auch ganz bewusst davon überraschen lassen. Jeder Laden bietet auf seine ganz individuelle Art eine Bühne, ob es der kleine Tabakladen an der Ecke oder die 2. Etage von IKEA in irgendeiner deutschen Großstadt ist.

Jetzt wird der kritische Betrachter gleich die Nase rümpfen und ein gezieltes "Productplacement" auch auf die gute alte Schauspielkunst überschwappen sehen. Dieser "Tatbestand" ist jedoch ganz und gar nicht das oberste Gebot bei solchen Inszenierungen. Selbstverständlich bilden auch viele echte Verkaufsartikel einen vordergründigen Teil der Kulisse, aber dabei geht es immer um den improvisierten oder geplanten Bezug zum aufgeführten Theaterstück, und nicht um die Werbung für das Produkt selbst. Es bleibt dem Betrachter überlassen, ob er das Ganze als "Verkaufsanregung" empfindet.

Natürlich kann man trotzdem eine gewisse Symbiose zwischen der Werbung für die Aufführungs-Ladengeschäften und der Theaterkunst nicht ausschließen. Es wäre ja auch schlichtweg unmöglich, ein solches Projekt erfolgreich zu bestreiten, wenn nicht alle Protagonisten irgendwie davon "profitieren" würden. Viele Ladenbesitzer stehen dieser neuen Spielart der Aktionskunst sehr offen gegenüber. Manche bekommen sogar eine Rolle im Stück, um selbst richtig in die Atmosphäre eintauchen zu können. In den meisten Fällen war das "Ladentheater" bisher ein großer Erfolg. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Theateraufführungen sehr organisiert außerhalb der Geschäftszeiten, oder auch mal mehr spontan während der Ladenöffnungszeit zum Besten gegeben werden. Interessant bleibt es allemal.